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Convincing Political Stakeholders / Advanced Stakeholder Management

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Anton Meyer; Dr. Klemens Joos; Maximilian Geyr, M.Sc.; Sprache: Deutsch

13.08.2019

Zielgruppe Masterstudierende (M.Sc.)
Veranstaltungstyp Proseminar
Turnus Jedes Wintersemester
SWS 2
Leistungserbringung 2-stündige Klausur
Credits
  • PStO 2015: 3 ECTS im Wahlpflichtbereich „Marketing and Strategy VIII“
  • PStO 2018: 3 ECTS im Wahlpool „Advanced Elective Topics in Business Administration (Applied Theory) I-II“ 
Voraussetzungen Vorrangige Annahme von Bewerbern, welche die Veranstaltung Convincing Stakeholders bereits abgeschlossen haben oder parallel belegen; dies ist allerdings keine Pflicht-Voraussetzung
Bewerbung Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldung siehe LSF
Zeit / Raum 22.-23.01.2021 in Brüssel, Belgien
Kontaktperson Maximilian Geyr, M.Sc.

Aufgrund der Covid-19 Situation findet das Seminar via Zoom und nicht vor Ort in Brüssel statt. Das Seminar kann nur als 3-ECTS Variante belegt werden. Prüfungsleistung ist eine 2-stündige Klausur am 23.01.2021.

Beschreibung:

Die EU ist – trotz aller Krisen – eines der wichtigsten Wirtschaftszentren der Welt. Ihre Bedeutung für die alltäglichen Entscheidungen der Marktteilnehmer kann dabei nicht hoch genug eingeschätzt werden: Mehr als 80 Prozent des nationalen Wirtschaftsrechts und mindestens 50 Prozent des gesamten innerstaatlichen Rechts der Mitgliedstaaten sind europarechtlich geregelt oder zumindest beeinflusst. Zugleich haben sich durch den Vertrag von Lissabon (in Kraft seit 1.12.2009) die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Wirtschaft und europäischer Politik entscheidend verändert: Die Strukturen der Entscheidungsfindung in der EU und ihren Mitgliedstaaten werden auch für große internationale Unternehmen zunehmend undurchschaubar. In der Praxis mangelt es den Unternehmen dabei nicht an Inhaltskompetenz, also an guten Argumenten für die eigenen Anliegen. Zunehmender Bedarf besteht vielmehr an Prozesskompetenz, also an der umfassenden Kenntnis der formellen und informellen Entscheidungsverfahren und an effektiven Möglichkeiten, an ihnen mitzuwirken.
Das Proseminar führt die Teilnehmer an die Theorie und Praxis der Interessenvertretung auf EU-Ebene heran – in Theoriemodulen und im Rahmen interaktiver, in Kleingruppen durchgeführter Fallstudien:

  • Was ist Interessenvertretung? Was sind die Funktionen von Interessenvertretung für Unternehmen?
  • Was sind die Besonderheiten von Interessenvertretung auf europäischer Ebene?
  • Welche formellen und informellen Regeln sind für eine erfolgreiche Interessenvertretung zu beachten?
  • Was sind die „Werkzeuge“ des Interessenvertreters in der Praxis und wie sind sie anzuwenden?
  • Wie muss ein Unternehmen seine Interessenvertretung strategisch aufstellen, um erfolgreich zu sein?

In Vorbereitung auf das Seminar wird von den Studierenden eine Pflichtlektüre vorausgesetzt, die rechtzeitig vor Seminarbeginn gelesen werden muss.

Nach den erfolgreichen Veranstaltungen in den letzten vier Jahren wird das Seminar in diesem Jahr zum fünften Mal angeboten.

 

Lehrgedanke:

Dr. Klemens Joos ist seit 2013 als Lehrbeauftragter an der Fakultät für Betriebswirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) tätig, an der er 1998 zum Dr. oec.publ. promoviert wurde. Alljährlich vermittelt er im Blockseminar „Convincing Political Stakeholders“ in Brüssel Studierenden im Masterstudium vertiefte Einblicke in die komplexen Entscheidungsprozesse der Europäischen Union (EU) sowie in die Praxis erfolgreicher Interessenvertretung im Spannungsfeld der EU-Institutionen: Europäisches Parlament, Rat der Europäischen Union und Europäische Kommission.

Als theoretische Grundlage des Blockseminars dient das 2015 erschienene Standardwerk von Dr. Joos „Politische Stakeholder überzeugen: Erfolgreiche Interessenvertretung durch Prozesskompetenz im komplexen Entscheidungssystem der Europäischen Union“. Zur erfolgreichen Problemlösung in einem komplexen System, wie es die EU mit ihren 27 Mitgliedsstaaten und ihrem dynamischen Mehrebenensystem unzweifelhaft darstellt, bedarf es der engen Verzahnung von Inhalts- und Prozesskompetenz. Denn die besten inhaltlichen Argumente führen nicht zum Erfolg, wenn sie nicht im richtigen Moment zu den richtigen Entscheidern in der richtigen Form durchdringen. Nur so können sie eine überzeugende Wirkung entfalten.

Kerngedanke ist, dass eine erfolgreiche Interessenvertretung nur möglich ist, wenn der Wechsel aus der Perspektive der Interessen des Betroffenen in die des Gemeinwohls gelingt (Perspektivenwechselkompetenz). Denn nur in solchen Fällen kann mit hinreichender Sicherheit von einer Überzeugung der Entscheider auf allen Ebenen des vielschichtigen EU-Entscheidungsprozesses ausgegangen werden. Deshalb muss die erfolgreiche politische Interessenvertretung zu einem zentralen Punkt der Ausbildung von Betriebswirten werden.

In der Betriebswirtschaft stand in der Vergangenheit der Homo Oeconomicus, der völlige Informationstransparenz, das Streben nach Gewinnmaximierung und rationales Verhalten unterstellt, im Fokus der Lehre. In den vergangenen Jahren hat jedoch vor allem die Verhaltensökonomie (behavioral economics), die sich stark vom Homo Oeconomicus abgrenzt, an Bedeutung gewonnen.

Das gleiche gilt für das Modell der Stakeholder-Theorie. 2019 bekannten sich im Rahmen des „Business Roundtable“ 181 globale Topmanager dazu, dass nicht länger allein die Interessen der Anteilseigner (Shareholder Value) der Zweck ihrer Unternehmen sein soll, sondern die Förderung „aller Stakeholder, deren langfristige Interessen untrennbar sind“. Wenn jetzt selbst in den USA – also dem Mutterland des gewinnmaximierenden Denkens – eine neue Unternehmensphilosophie auf alle Stakeholder setzt, wird sich dieser Ansatz mittelfristig auch in der Lehre durchsetzen.

Dieser Paradigmenwechsel wurde in der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der LMU von Professor Meyer frühzeitig erkannt und seit 2004 in die Lehrpläne implementiert. Die frühe Konzentration von Dr. Joos auf Stakeholder – also auf die Beteiligten an einem Prozess im umfassenden Sinn – erweist sich als ebenso weitsichtig wie aktuell. Sein prozessualer Ansatz wurde daher 2013 als zwingend notwendige Ergänzung in die Stakeholder-Lehre am Institut für Marketing der LMU aufgenommen. Denn ohne Kenntnis politischer Entscheidungsprozesse und europarechtlicher Rahmenbedingungen können Unternehmen – spätestens mit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon in 2009 – kaum mehr geführt werden. Man denke nur an die stark regulierten Bereiche der Chemie und Pharmazie.

Nach Überzeugung von Dr. Joos ist es unabdingbar, die maßgeblichen Entscheidungsträger in Legislative und Exekutive als rahmensetzende sekundäre Stakeholder für Gesetze, Verordnungen etc. in Forschung und Lehre langfristig einzubeziehen. Dies wird dazu führen, dass auch die Bedeutung der Prozesskompetenz in intermediären Systemen stärker in den Blick genommen wird. Hier leistet das Institut für Marketing der LMU mit dem Masterseminar „Convincing Political Stakeholders“ wichtige Pionierarbeit.


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